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QM-Wünsche für 2026
Normupdate mit Sinn und Verstand
Die ISO 9001:2026 wird im Herbst 2026 erwartet. Ignoriert man ein paar wenige Panikmacher und Geldgeier, hat sich inzwischen hoffentlich hinreichend herumgesprochen, dass man an bestehenden QM-Systemen weitestgehend nichts ändern muss.
Allerdings hat uns das Amendment 02/2024 mit dem Thema Klimawandel bereits leidvoll gezeigt, dass auch Scheinneuerungen zu ungeahnten Auditsituationen führen.
Hierzu habe ich bereits ausgiebig informiert: 🔗 Klimawandel im Zertifizierungsaudit.
Daher wünsche ich uns allen, dass die textlichen Anpassungen der ISO 9001:2026 dieses Mal nicht mit neuen Anforderungen verwechselt werden.

Beispiel: Umgang mit Risiken und Chancen
Nur weil die Maßnahmen zu Chancen und Maßnahmen zu Risiken zukünftig getrennt beschrieben werden, dürfen Organisationen weiterhin Maßnahmen zu Chancen und Risiken in gewohnter Manier bearbeiten. Die ISO 9001 fordert weder, dass man zwischen Chancen und Risiken unterscheidet, noch dass man diese getrennt handhaben müsse.
Die textliche Trennung lädt lediglich dazu ein, die Chancen nicht zu vergessen und sich nicht nur auf die offensichtlichen Risiken zu stürzen. Inwieweit eine Organisation das annimmt, ist und bleibt Sache der Organisation.
Zudem bin ich der Meinung, dass es kaum Chancen ohne Risiken oder Risiken ohne Chancen gibt. Hierzu werde ich in diesem Jahr einen separaten Artikel schreiben.
Auditoren dürfen gerne fragen:
✅ „Hat die Normänderung zu einer Veränderung im Umgang mit Risiken und Chancen geführt?“
✅ „Was sind die letzten Maßnahmen zum Umgang mit Chancen?“
Was sie hingegen nicht fragen sollten:
🤮 „Wie haben Sie Risiken und Chancen getrennt?“
🤮 „Sie hatten bisher eine Risikomatrix. Wo ist die Chancenmatrix?“
Anders als beim Amendment 02/2024 werden hoffentlich folgende Sätze nicht fallen:
😱 „Ich muss noch eine Chance für meinen Reviewer dokumentieren!“
😱 „Das muss umformuliert werden, sonst erkennt man nicht, dass es sich um eine Chance handelt.“

Beispiel: Förderung von ethischem Verhalten
Im Normabschnitt 5.1.1 findet man den Appell an die oberste Leitung, dass sie Führung und Verpflichtung zeigt, indem sie Qualitätskultur und ethisches Verhalten fördert.
Das klingt nett, aber was bedeutet das überhaupt?
Ethisches Verhalten zu fördern bedeutet, bewusst Rahmenbedingungen zu schaffen, die verantwortungsvolles, faires und integres Handeln unterstützen. Ethisches Verhalten wird anerkannt und wertgeschätzt. Unethisches Verhalten wird klar benannt und angemessen korrigiert.
Kurz gesagt: Ethisches Verhalten zu fördern heißt, Haltung zu zeigen – systematisch, glaubwürdig und im Alltag spürbar.
✅ In der Auditpraxis kann ich mir lediglich vorstellen, dass Auditoren Beobachtungen zu eventuell unethischem Verhalten ansprechen. Das kann herausfordernd sein und Fingerspitzengefühl erfordern.
Was nicht gefragt werden sollte:
🤮 „Wurde die Qualitätspolitik zu ethischem Verhalten ergänzt?“
🤮 „Wo ist Ihr Code of Ethics (Ethikkodex)?“
So wichtig es für unsere Weltgemeinschaft ist, die Themen Integrität, Respekt, Fairness, Transparenz, Verantwortung, Gleichbehandlung, Vielfalt, Anti-Diskriminierung, Korruptionsvermeidung, Wettbewerbsverhalten, Sozialverantwortung, Meldewege und Schutz vor Benachteiligung ernst zu nehmen, scheint mir ein ISO 9001 Audit nicht den geeigneten Rahmen zu bieten.
Könnten Auditoren das Thema ernsthaft und objektiv bewerten, wäre eine ISO 9001-Zertifizierung für einige Banken oder Versicherungen vermutlich nicht mehr möglich 🤣. Ups, den konnte ich nicht liegen lassen 😊. Sorry 🙏.
QM-Wünsche für 2026: Gute Gespräche statt stupider Dokumente
Im Idealfall regen die textlichen Änderungen der Norm zu guten Gesprächen an. Auditoren hören zu und machen sich ein Bild vom Erfüllungsgrad zu den Anforderungen der ISO 9001.
Hier geht es nicht darum, einen schriftlichen Nachweis vorzulegen, der beweist, dass eine Organisation ein Thema ernsthaft behandelt hat. Vielmehr sollten Auditoren beobachten, wie die schriftlichen und mündlichen Vorgaben tatsächlich umgesetzt werden, und beurteilen, ob sie mit den Normanforderungen übereinstimmen.

Hören die Auditoren keine Konformität aus den Gesprächen heraus, formulieren sie halt eine Abweichung, was mich zum letzten Wunsch führt:
Eine Abweichung ist kein Beinbruch
Abweichung bedeutet lediglich, dass zu einer konkreten Anforderung der ISO 9001 nur unzureichend Konformität bestätigt werden konnte. Demnach ist man als Organisation eingeladen, sich zu diesem Thema zu verbessern.
Organisationen bestimmen selbst, mit welcher Methode und Alltagspriorität dieses Thema gehandhabt wird. Ich wünsche Auditorinnen und Auditoren Augenmaß bei der Bewertung der Angemessenheit von Methoden und Prioritäten zum Umgang mit Normanforderungen.
Frohes neues Jahr
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern des QM-Impulse-Newsletters Gesundheit und positive QM-Erfahrungen.



