Die ISO 9001:2026 wird im Herbst 2026 erwartet. Ignoriert man ein paar wenige Panikmacher und Geldgeier, hat sich inzwischen hoffentlich hinreichend herumgesprochen, dass man an bestehenden QM-Systemen weitestgehend nichts ändern muss.
Allerdings hat uns das Amendment 02/2024 mit dem Thema Klimawandel bereits leidvoll gezeigt, dass auch Scheinneuerungen zu ungeahnten Auditsituationen führen. Hierzu habe ich bereits ausgiebig informiert: 🔗 Klimawandel im Zertifizierungsaudit.
Daher wünsche ich uns allen, dass die textlichen Anpassungen der ISO 9001:2026 dieses Mal nicht mit neuen Anforderungen verwechselt werden.
QM-Wünsche für 2026
Beispiel: Umgang mit Risiken und Chancen
Nur weil die Maßnahmen zu Chancen und Maßnahmen zu Risiken zukünftig getrennt beschrieben werden, dürfen Organisationen weiterhin Maßnahmen zu Chancen und Risiken in gewohnter Manier bearbeiten. Die ISO 9001 fordert weder, dass man zwischen Chancen und Risiken unterscheidet, noch dass man diese getrennt handhaben müsse.
Die textliche Trennung lädt lediglich dazu ein, die Chancen nicht zu vergessen und sich nicht nur auf die offensichtlichen Risiken zu stürzen. Inwieweit eine Organisation das annimmt, ist und bleibt Sache der Organisation.
Zudem bin ich der Meinung, dass es kaum Chancen ohne Risiken oder Risiken ohne Chancen gibt. Hierzu werde ich in diesem Jahr einen separaten Artikel schreiben.
Auditoren dürfen gerne fragen:
✅ „Hat die Normänderung zu einer Veränderung im Umgang mit Risiken und Chancen geführt?“ ✅ „Was sind die letzten Maßnahmen zum Umgang mit Chancen?“
Wünsche an Qualitätsmanagement, Audits und Zertifizierung
Jan Jörgensmann
Kurz vor Weihnachten widmet sich Episode Nr. 97 der QM-Impulse der Frage: Was wünschen wir uns eigentlich für das Qualitätsmanagement?
Zu Gast ist erneut Jan Jörgensmann, der zum zehnten Mal im Podcast dabei ist. Gemeinsam sprechen wir über Qualitätsmanagement jenseits von Checklisten und Pflichtübungen – mit Blick auf Audits, Zertifizierung und die anstehende Revision der ISO 9001.
Im Mittelpunkt stehen nicht einzelne Normforderungen, sondern Haltung und Wirkung: 📄 Wie viel Dokumentation ist sinnvoll? 👁️ Wo braucht es mehr Augenmaß? 🫠 Und welche Rolle spielen Vertrauen, Erfahrung und Normkompetenz im QM-Alltag?
Die Episode verbindet persönliche Einblicke aus Auditpraxis und Organisationsarbeit mit grundsätzlichen Überlegungen zur Weiterentwicklung von Managementsystemen. Dabei geht es auch um Bürokratie, Verantwortung und die Frage, wie QM Organisationen tatsächlich unterstützen kann.
🎧 Eine Episode für QMBs, Auditor:innen, Führungskräfte und alle, die Qualitätsmanagement nicht nur erfüllen, sondern verstehen wollen.
Fast jede ISO 9001 zertifizierte Organisation pflegt Dokumente, in denen Prozesse beschrieben werden. Diese Dokumente tragen verschiedene Bezeichnungen, wie etwa Verfahrensanweisungen, Prozessbeschreibungen oder SOPs (standard operation precedures) in Form von Flowcharts, Swimlanes, Fließtexten und Kombinationen daraus.
Am Anfang von QM-Projekten herrscht oft große Begeisterung beim Erstellen von Prozessdarstellungen. In den meisten Fällen verebbt diese Begeisterung und die verantwortlichen Führungskräfte, die sich jetzt Prozesseigner oder Prozessverantwortliche nennen dürfen, widmen sich nach der Freigabe wieder ihrem Tagesgeschäft.
Erst kurz vor dem nächsten externen Audit kommt der Appell von QM-Beauftragten, die visualisierten Darstellungen im Handbuch zu prüfen und bei Bedarf zu aktualisieren.
Mehr oder weniger aufwändig werden die Prozessbeschreibungen mit der Realität abgeglichen. Ein echter Nutzen ist oftmals nicht erkennbar, sodass viele Führungskräfte es als Zeitverschwendung betrachten.
QM-Impulse zur ISO 9001 als Taschenbuch und Kindle Unlimited
Wie gelingt es, ein Qualitätsmanagementsystem nach ISO 9001 sinnvoll zu gestalten – jenseits von Bürokratie und sinnlosen Dokumentationsritualen?
Dieses Buch liefert praxisnahe Antworten, Denkanstöße und erfrischend klare Impulse aus über 25 Jahren Beratung und Training im Qualitätsmanagement.
Anhand realer Beispiele und pointierter Geschichten zeigt Stephan Joseph, wo Unternehmen im Alltag stolpern – und wie Du die Freiheitsgrade der ISO 9001 nutzen kannst.
Weg von der ISO-Pappe an der Wand, hin zur Kernfrage: Wie kann ein QM-System Führungskräfte und Mitarbeiter unterstützen, damit Kunden echten Nutzen erfahren?
Das Buch ist bei Amazon als Taschenbuch und Kindle Unlimited erhältlich.
Wie erleben eigentlich Mitarbeiter die unterschiedlichen Reifegrade von Managementsystemen? Hierzu betrachten wir die beiden Extremfälle, wohl wissend, dass es dazwischen unendliche Varianten gibt.
Extremfall 1: Ein QMB macht alles für die ISO 9001-Pappe an der Wand
Führungskräfte und Mitarbeiter erhalten dokumentierte Vorgaben, die sich mit den aktuellen Rahmenbedingungen nur schwer umsetzen lassen. Zu einzelnen Themen ist den Mitarbeitern klar, dass diese sinnvoll gemanagt werden müssen. So ist z. B. schon klar, warum Messmittel geeignet sein müssen, Lieferanten zu bewerten sind oder die Kompetenz der Mitarbeiter entwickelt werden sollte. Jedoch passen die festgeschriebenen Vorgaben nicht zu den aktuell gelebten Prozessen. Die blöden Aufkleber an den Messmitteln gehen ständig ab, das Ergebnis der ABC-Analyse der Lieferanten liefert keinen Mehrwert und die Qualifikationsmatrix samt Schulungsplan werden pflichtbewusst vor jedem Zertifizierungsaudit aktualisiert.
Die Rufe nach weniger Bürokratie werden lauter, und sie kommen nicht nur aus der Wirtschaft. Auch die Politik hat erkannt, dass sich Prozesse vereinfachen müssen, um Innovation und Effizienz zu fördern.
Mich hat das zu der Frage geführt: Könnte der Verzicht auf die Zertifizierung von QM-Systemen nach ISO 9001 ein Beitrag zum Bürokratieabbau sein?
Zertifiziert oder nicht, jede Organisation hat ein System aus Prozessen, um Kundenwünsche erfolgreich umzusetzen und daran zu verdienen – also ein QM-System. Zahlreiche Impulse von innen und außen zwingen Organisationen zur Optimierung ihrer Prozesse und somit ihres Systems. Angefangen vom Fachkräftemangel, über den technologischen Fortschritt, bis zu Änderungen rechtlicher Rahmenbedingungen. Diese Themen sowie der Umgang damit finden auch ohne jährliche Zertifizierungsaudits die notwendige Aufmerksamkeit.
Viele kennen es: 🗣 QMB: „Hier ist unsere ABC-Analyse.“ 🗣 Auditor: „Von wann ist die?“ 🗣 QMB: „Äh… letzte Woche.“
👉 Schnell vor dem Audit etwas zusammensetzen – Hauptsache, „etwas ist da“. Doch das Thema „Lieferantenbewertung“ bietet weit mehr Potenzial – und ist in der ISO 9001 (Kap. 8.4) viel differenzierter gemeint als viele denken.
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